Workshop: How to be an Ally 2

Bericht:

Am 17.4.2021 fand der zweite Teil des „How to be an Ally“-Workshop statt. Der Workshop richtete sich an weiße und damit privilegierte Menschen, die sich selbst rassismuskritisch hinterfragen möchten und daran arbeiten möchten, ein (besserer) Ally (eine:e Verbündete:r) für von Rassismus betroffene Menschen zu sein. Der Workshop wurde online durchgeführt und von den erfahrenen Anti-Rassismus-Trainer:innen Arpana Berndt und Marijana Bogojević geleitet.

Zu Beginn wurden einige Begrifflichkeiten thematisiert. Weiß (in diesem Sinne ein politischer und nicht auf die Hautfarbe bezogener Begriff) ist jemand, die:der nicht von Rassismus betroffen ist. Es gibt unterschiedliche Selbstbezeichnungen von/für Menschen, die von Rassismus betroffen sind, die dann auch allgemein genutzt werden können/sollten: PoC (People of Color), Black, Indigenous and People of Color), Schwarz (auch hier wieder ein politischer Begriff). Ein „Ally“ bzw. eine:r Verbündete:r ist jemand, die:der sich ständig mit dem eigenen (rassistischen) Verhalten auseinandersetzt und die eigenen Denkstrukturen hinterfragt. Dazu gehört auch, einzugreifen, wenn man Rassismus bemerkt. Eines der Workshop-Kernelemente war die Fokussierung auf die von Rassismus betroffenen Menschen. Eine rassismuskritische Handlung sollte so geschehen soll, dass die Bedürfnisse der von Rassismus betroffenen Menschen im Mittelpunkt stehen. Da man dies aber unmöglich als weißer Mensch wissen kann, muss man es absprechen. Des Weiteren wurde schnell klar, dass ein rassismusfreies Handeln und Denken unmöglich ist. Rassismus ist so tief in der Gesellschaft, sämtlichen Strukturen und auch uns Menschen verankert, dass es (noch) nicht möglich ist, sich ganz davon loszulösen.

Neben dem theoretischen Input wurden das eigene Verhalten beim Beobachten von rassistischem Verhalten anderer sowie Rassismus-reproduzierende-Situationen der Teilnehmer:innen in Kleingruppen besprochen, analysiert und anschließend in der Gemeinschaftsgruppe vorgestellt. Daraufhin gab es nochmals Feedback von den Trainer:innen und den restlichen Teilnehmenden. Das Feedback von den Teilnehmenden war sehr positiv.

Insgesamt dauerte der Workshop 4,5 Stunden. Wir fanden: die Zeit verging wie im Flug! Die Atmosphäre war offen und respektvoll, sodass man seine eigenen Unsicherheiten, Gedanken und auch Kritik am eigenen Verhalten gut äußern konnte, ohne Angst haben zu müssen, dafür verurteilt zu werden.

Auch die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen sehr positiv aus. Hier sind ein paar Beispiele:

„Mitgenommen habe ich mir, dass der unsichere Umgang mit Rassismus keinesfalls etwas Negatives ist, sondern gut, denn er dient der Reflexion und dem kritischen Auseinandersetzen mit dem eigenen Handlungsvorgehen in meiner Arbeit. Ebenso habe ich verinnerlicht, dass ich die Betroffenen für meine Reflexion mit einbeziehen darf und sollte, um so deren Bedürfnisse individuell berücksichtigen zu können. ….“

„Für mich war im Workshop wenig Neues, aber ich fand die Info sehr praktisch, dass es Beschwerdestellen gibt, wo man racial profiling und/oder rassistische Polizeiübergriffe unabhängig von den direkt Betroffenen melden kann. Das war ein super Tipp.“

„Der Workshop hat mir wieder ins Bewusstsein gerückt, die Auseinandersetzung mit Rassismus als einen kontinuierlichen und nie endenden Prozess zu betrachten, die Perspektive der Betroffene als oberste Priorität in den Mittelpunkt gerückt und so ermutigt, in zukünftigen konkreten Situationen hoffentlich handlungsfähig(er) sein zu können.“

„Ich habe viele Anregungen mitgenommen und angefangen intensiver zum Thema zu lesen. Trotz dessen, dass ich mich grundlegend bereits mit dem Thema beschäftigt hatte, hat das Seminar viele Themen angesprochen, die ich nicht so auf dem Schirm hatte und es erleichtert neues Material zum Nachlesen zu finden. Die Perspektiven der beiden Referent*innen waren sehr wertvoll und wertschätzend.“

„Es ist den Referierenden sehr gelungen, einen Raum zu schaffen, wo eigene rassistische Verhaltens- oder Denkmuster geäußert und reflektiert werden konnten. Anzuerkennen, dass wir alle so sozialisiert sind und es vor allem einen „Ally“ ausmacht, diesen Zustand nicht abzustreiten, war eine wichtige Perspektive. Es tat sehr gut, eine Sprache dafür zu finden. Die eigene Rolle hinten anzustellen und den Betroffenen Handlungsspielraum zu geben, war eine zentrale Botschaft. Es war nur schade, dass wir nach 4,5h aufhören mussten!“

„Im Alltag fällt es bei aller Reflektiertheit doch immer wieder schwer, sich die eigenen rassistischen Gedanken und Verhaltensweisen einzugestehen, radikal zuzugeben und mit anderen zu besprechen. In dem Workshop wurde eine Gesprächsebene eröffnet, in der auch ich mich getraut habe, meine eigenen Geschichten zu teilen, in denen ich rassistisch gehandelt habe – inklusive aller Scham, die dabei hochkam. Und diese Gesprächsräume halte ich für extrem wichtig in der antirassistischen Arbeit.“

Einladungstext:

Am 17.4.2021 von 16:00 bis ca. 20:30 Uhr findet der zweite Teil vom Workshop „How to be an Ally“ teil. Wir laden euch herzlich zur Teilnahme ein!

„How to be an Ally“ richtet sich an weiße* Menschen. Es werden Strategien und Handlungsmöglichkeiten zur Unterstützung von rassismusbetroffenen Menschen weiter vertieft. Es wird erarbeitet, wie weiße Menschen als Verbündete für Personen of Color in Deutschland handeln können. In einem offenen und diskriminierungskritischen Raum werden Unsicherheiten reflektiert, die weiße Menschen bei der Auseinandersetzung mit Rassismus erfahren.

Dieser Workshop ist ein Aufbau-Workshop. Am Anfang werden einige Aspekte aus dem Basisworkshop wiederholt und auf die Lebensrealitäten angewandt. Es ist grundsätzlich möglich, ohne Basisworkshop am 17.4. teilzunehmen. Dafür ist jedoch eine vorherige Auseinandersetzung mit Rassismus in Deutschland notwendig. Der Workshop eignet sich nicht als Einführung in die Problematik.

Der Workshop wird von Aparna Berndt und Marijana Bogojević geleitet. Aparna Berndt ist Autorin und Antirassismustrainering. Sie studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus und forscht zu fiktionalem Horror aus postmigrantischer Perspektive. Aparna ist Kolumnistin beim Missy Magazine. Außerdem ist sie Presse- und Communitymanagerin des Kinofilms „Futur Drei“ von Jünglinge.“ Marijana Bogojević beschäftig sich als Sozialwissenschaftlerin, politische Referentin und Aktivistin mit gesellschaftspolitischen Themen aus einer (post)-migrantischen Perspektive. In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung sind hierbei vor allem Menschenrechtsthemen, wie LGBTIQ*, Feminismus und Antirassismus von Relevanz.

„How to be an Ally 2“ findet online über Zoom statt. Weitere Informationen bekommt ihr von Jasper Steingrüber (jasper.steingrueber@medinetz-jena.de). Da wir nur eine begrenzte Teilnehmendenzahl haben, bitten wir um Anmeldung per E-Mail bei Jasper.

Bis dahin solidarische Grüße,

Euer MediNetz Jena

*weiß ist in diesem Sinne eine politische Bezeichnung für Menschen, die in Deutschland nicht von Rassismus betroffen und damit in einer privilegierten Position sind

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